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Ratgeber · Schimmel

Schimmel in der Wohnung: Baumangel oder falsches Lüften?

Bei kaum einem Schaden wird so oft gestritten wie bei Schimmel. Die entscheidende Frage lautet immer gleich: Liegt es am Gebäude oder am Verhalten der Bewohner? Wer sie sauber beantwortet, weiß auch, wer für die Beseitigung aufkommt.

Von Dipl.-Ing. Volker Wagenknecht, Bausachverständiger · Lesezeit ca. 5 Min

Schimmel ist nie die Ursache, sondern die Folge. Er wächst dort, wo über längere Zeit genug Feuchtigkeit an einer Oberfläche steht. Die eigentliche Frage ist deshalb nie „Wie entferne ich den Fleck?", sondern „Woher kommt die Feuchte?". Erst wenn das geklärt ist, lässt sich der Schimmel dauerhaft beseitigen, und erst dann steht fest, wer verantwortlich ist.

Warum die Ursache über alles entscheidet

Geht der Schimmel auf einen baulichen Mangel zurück, ist in der Regel der Eigentümer beziehungsweise Vermieter in der Pflicht. Liegt es am Nutzungsverhalten, etwa an zu wenig Lüftung bei viel Feuchteeintrag, trägt der Bewohner die Folgen. Zwischen diesen beiden Welten liegen oft mehrere Tausend Euro Sanierungskosten. Genau deshalb wird die Ursachenfrage so hart geführt, und genau deshalb reicht eine Sichtprüfung nicht aus.

Die häufigsten Ursachen im Überblick

In der Praxis stoße ich immer wieder auf dieselben vier Muster. Erstens die Wärmebrücke: An konstruktiv kalten Stellen wie Außenecken, Fensterlaibungen oder Betonstürzen kühlt die Oberfläche so weit ab, dass Raumluftfeuchte dort auskondensiert. Das ist ein baulicher Mangel, wird aber besonders häufig dem Lüften angelastet. Zweitens das undichte Bauteil: Wasser dringt von außen durch eine defekte Abdichtung, ein undichtes Dach oder eine schadhafte Fassade ein. Drittens die aufsteigende Feuchte, vor allem im Altbau ohne wirksame Horizontalsperre. Und viertens der Feuchteeintrag durch Nutzung: Kochen, Duschen und Wäschetrocknen bringen viel Wasser in die Luft, das ohne ausreichende Lüftung an der kältesten Fläche landet.

So unterscheidet man Baumangel von Lüftungsverhalten

Der Schlüssel ist die Messung. Mit einem Feuchtemessgerät lässt sich feststellen, ob eine Wand von innen (Kondensat) oder von außen (eindringendes Wasser) nass ist. Zeigt sich an der Schimmelstelle eine deutlich kältere Oberfläche, deutet das auf eine Wärmebrücke und damit auf einen baulichen Mangel hin. Ergänzend wird das Raumklima beurteilt, also Temperatur und Luftfeuchte im Verhältnis zur Oberflächentemperatur. Erst dieses Gesamtbild erlaubt eine belastbare Zuordnung, die auch die Gegenseite überzeugt.

Was Sie selbst tun können

Regelmäßiges Stoßlüften, das Vermeiden von Möbeln direkt vor kalten Außenwänden und ein Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte helfen in vielen Fällen. Wenn der Schimmel aber trotz vernünftigen Lüftens wiederkommt, immer an derselben Stelle auftritt oder nach einer oberflächlichen Entfernung erneut erscheint, ist das ein starkes Indiz für eine bauliche Ursache. Dann bringt weiteres Lüften nichts, weil das Problem in der Konstruktion liegt.

Wann ein Gutachten sinnvoll ist

Sobald Geld oder eine Auseinandersetzung im Spiel ist, lohnt die unabhängige Klärung: bei Streit zwischen Mieter und Vermieter, vor einer teuren Sanierung, oder wenn der Schimmel immer wiederkehrt. Ein Gutachten hält Ursache, Umfang und den fachgerechten Sanierungsweg schriftlich fest, mit Messwerten statt Vermutungen. Das schützt Sie davor, das Symptom zu behandeln und die Quelle zu übersehen. Wer die fachlichen Hintergründe vertiefen möchte, findet im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts ausführliche Empfehlungen zu Bewertung, Ursachen und Sanierung.

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