Ratgeber · Hauskauf
Hauskauf-Checkliste: worauf Sie vor dem Notartermin achten sollten
Ein Haus kauft man selten zweimal im Leben, und die teuren Überraschungen sitzen dort, wo man ohne Erfahrung nicht hinsieht. Diese Checkliste bringt die wichtigsten Punkte in eine sinnvolle Reihenfolge.
Von Dipl.-Ing. Volker Wagenknecht, Bausachverständiger · Lesezeit ca. 6 Min
Das Exposé zeigt die Sonnenseite, der Makler arbeitet für den Verkäufer, und die entscheidenden Mängel liegen im Keller, im Dach und in der Haustechnik. Wer vor dem Notartermin systematisch prüft, kauft mit klarem Blick statt mit Bauchgefühl.
1. Unterlagen sichten
Verlangen Sie früh Baubeschreibung, Grundrisse, Energieausweis und Nachweise zu Sanierungen. Bei Eigentumswohnungen kommen die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen, der Wirtschaftsplan und die Höhe der Instandhaltungsrücklage hinzu. Diese Papiere verraten oft mehr über anstehende Kosten als die Besichtigung selbst.
2. Keller und Gründung
Der Keller ist der ehrlichste Teil des Hauses. Achten Sie auf Feuchteränder, Salzausblühungen, abblätternde Farbe und muffigen Geruch. Ein frisch gestrichener Keller kann ein gutes Zeichen sein oder ein kaschiertes Problem. Feuchte in erdberührten Wänden gehört zu den teuersten Sanierungen überhaupt.
3. Dach und Dachstuhl
Prüfen Sie Alter und Zustand der Eindeckung, Feuchtespuren und Schädlingsbefall im Gebälk sowie die Dämmung. Bei Flachdächern ist die verbleibende Nutzungsdauer entscheidend, denn eine anstehende Flachdachsanierung ist ein fünfstelliger Posten, der im Kaufpreis selten eingepreist ist.
4. Fassade, Fenster und Wärmebrücken
Risse, Putzschäden und der Zustand der Fenster geben Hinweise auf anstehende Kosten und auf die Energieeffizienz. Dunkle Ecken und Schimmelspuren an Außenwänden deuten auf Wärmebrücken hin.
5. Haustechnik
Heizung, Elektroinstallation und Leitungen haben eine begrenzte Lebensdauer. Notieren Sie Alter und Zustand. Eine 25 Jahre alte Heizung oder eine Elektrik ohne moderne Absicherung kann kurzfristig einen erheblichen Betrag kosten.
6. Die Zahlen ehrlich rechnen
Addieren Sie zum Kaufpreis die absehbaren Sanierungskosten der nächsten Jahre. Erst diese Summe zeigt, ob das Objekt wirklich günstig ist. Ein niedriger Preis mit hohem Sanierungsstau ist am Ende oft teurer als das gepflegte Haus nebenan.
Der wichtigste Punkt: nicht allein entscheiden
Die meisten dieser Punkte lassen sich mit einem geschulten Blick und Messtechnik zuverlässig beurteilen, viele davon nicht ohne. Eine unabhängige Begehung vor dem Notartermin kostet einen kleinen Bruchteil des Kaufpreises und liefert Ihnen entweder Sicherheit oder belastbare Zahlen für die Preisverhandlung. Sie ist die günstigste Position, die vor der teuersten Fehlentscheidung schützt.